Laufradbau

Aus WikiPedalia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die weit verbreitete Verfügbarkeit von preiswerten und (teilweise) gut gebauten Ersatzlaufrädern hat die Notwendigkeit in Fahrradläden reduziert, Laufräder zu bauen. Trotzdem gibt es Gelegenheiten, bei denen speziell angefertigte (oder neu aufgebaute) Laufräder benötigt werden. Insbesondere trifft dies für hochwertige Fahrräder zu, bei denen neue Felgen benötigt werden und es zu schade wäre, die teuren Naben wegzuwerfen.

Ein wichtiger Schritt in der Ausbildung eines Fahrradmechanikers ist es, Laufräder bauen zu können. Ein Mechaniker, der diese Fertigkeit nicht erlernt hat, darf sich nicht als voll qualifiziert und professionell bezeichnen und wird sich immer denjenigen unterlegen fühlen, die Laufradbau zu ihren Fertigkeiten zählen können.

Obwohl dieser Artikel ursprünglich nur für Fahrradmechaniker gedacht war, ist doch das Wissen um Laufradbau auch für Fahrradfahrer, die selbst Wartung und Reparatur Ihrer Räder vornehmen wollen, unbezahlbar.

Ein Neuaufbau von Laufrädern ist auch der beste Weg, die Kunst des Zentrierens zu erlernen. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie das Laufrad auf Veränderungen des Speichenzugs reagiert. Es ist wesentlich einfacher, mit neuen unbeschädigten Teilen als mit der Reparatur von beschädigten Laufrädern zu starten.

Werbung:

Der Start

Ein erfahrener Laufradbauer kann ein Laufrad in unter einer Stunde aufbauen - inklusive Zentrieren. Ein Anfänger sollte jedoch mehrere Stunden für diese Aufgabe einplanen. Am besten sollte man nicht versuchen, diese Aufgabe in einer Sitzung zu erledigen, weil man leicht über seine Langsamkeit beim Zentriervorgang frustiert sein könnte. Es ist besser, die Aufgabe über Nacht ruhen zu lassen, statt unvorsichtig zu werden und ein im Werden begriffenes Laufrad zu ruinieren.

Dieser Artikel konzentriert sich auf den Aufbau eines Hinterrads, weil dies der schwierigere Part ist. Für den Aufbau von Vorderrädern denke man sich den entsprechenden Teil weg, der hier nicht passt. Die Aufbaubeschreibung wird sich mit einem 36-Speichen-Rad befassen.

Falls Du ein 32-Speichen-Laufrad aufbaust, ersetze einfach jeweils die "36" mit "32", die "18" mit "16" und die "9" mit "8".

Ähnliche Ersetzungsregeln gelten für andere Speichenzahlen.

Werkzeuge

Du benötigst einen kleinen Schlitz-Schraubendreher, einen Speichennippelschlüssel (Sheldon Brown benutzte einen DT Speichennippelschlüssel, aber nicht jeder mag schließlich einen solchen für 50$ besitzen. Sein bevorzugter preiswerterer Speichennippelschlüssel ist einer aus Plastik mit einem Metallbit, der so genannte "Spokey"), ein Zentrierständer und eine Zentrierlehre.

Zusätzlich ist ein Speichentensiometer und ein Akkuschrauber mit einem passenden Bit hilfreich. (Sheldon Brown nutzte bevorzugt einen abgenutzten Philips-Bit, an dem er zwei der vier Finnen zu einer Art flachen Klinge abgefeilt hatte. Der Stift passt in das Loch in der Mitte des Nippels, sodass der Schraubendreher nicht abrutschen kann.)

Materialien

Naben

Alle modernen Naben von ordentlicher Qualität sind aus Aluminium. Naben von höherer Qualität sind geschmiedet. Nur geschmiedete Naben sollten für radial eingespeichte Vorderräder benutzt werden. Sheldon Brown rät dringend vom Einsatz von "Boutique"-Naben ab, die CNC-gefräst sind, da ihre Flansche normalerweise schwächer sind als diejenigen geschmiedeter Naben.

Falls Du neue Naben kaufst, haben Shimano-Naben in den meisten Fällen das beste Preis-Leistungsverhältnis. Falls Du die besten Naben haben willst und Geld keine Rolle spielt, nimmst Du einfach die von Phil Wood.

Speichen

Das Material der Wahl für Speichen ist rostfreier Stahl. Rostfreier Stahl ist haltbar und rostet nicht. Billige Laufräder sind mit verchromten (UCP) oder verzinkten (galvanisierten) Carbon-Stahl Speichen ausgestattet, die aber leider nicht so haltbar sind und auch zum Rosten neigen.

Die Marktführer auf dem deutschen Markt sind DT Swiss AG und Sapim.

Titan wird ebenfalls für Speichen eingesetzt, was allerdings nach Sheldon Browns Meinung herausgeworfenes Geld ist. Titanspeichen sollten nur mit Messingnippeln benutzt werden, die in dieser Kombination aber nicht signifikant leichter sind als Stahlspeichen mit Aluminiumnippeln.

Carbonspeichen sind ebenfalls am Markt erhältlich. Diese haben sich als bruchanfällig und gefährlich herausgestellt. Zudem sind sie sehr teuer.

Wie viele Speichen?

Bis in die frühen 1980er Jahre hatte so gut wie jedes Erwachsenenfahrrad 72 Speichen. 32 Vorne und 40 hinten war der Standard für britische Fahrräder, 36 vorne und hinten für alle anderen Länder. Die Ausnahmen waren supermodische Laufräder für spezielle Einsatzzwecke, die unter Umständen 32 Speichen vorne und hinten hatten.

Der Große Speichenschwindel: In den frühen 1980er Jahren hatte ein schlauer Marketingexperte die Idee, nur 32 Speichen für Vorführfahrräder zu nutzen. Wegen der Assoziation von 32 Speichen zu exotischen Hochleistungsrädern konnten die Hersteller Material und Geld sparen, indem sie das Ganze als einen "Fortschritt" verkauften. Die erzeugten Laufräder waren aber merklich weniger haltbar als vergleichbare 36-Speichen-Laufräder; sie waren aber für die meisten Kunden immer noch gut genug.

Dieses Vorgehen wurde bis zum Extrem mit 28, 24 oder gar 16 Speichen ausgereizt und jedes mal als "Fortschritt" präsentiert.

Tatsächlich sind solche Räder in der Praxis kein Fortschritt. Wenn die Speichen an der Felge weiter auseinander stehen, muss die Felge verstärkt sein, um diesen Umstand zu kompensieren. Daher geben diese neuartigeren Laufräder bei gleicher Stabilität keinen Gewichtsvorteil.

Dazu kommt, dass diese Art Laufräder eine höhere Speichenvorspannung benötigen, da die auftretenden Kräfte von weniger Speichen getragen werden müssen. Falls eine Speiche bricht, wird das Laufrad sofort unfahrbar.

Falls Du die beste Leistung benötigst, ist es ratsam, am Hinterrad mehr Speichen zu verbauen als am Vorderrad. Zum Beispiel ist die Kombination 28/36 besser als 32/32. Die meisten Leute haben weniger Probleme mit Vorderrädern:

  • Vorderräder werden symmetrisch eingespeicht
  • Vorderräder tragen weniger Gewicht
  • Vorderräder tragen keine Torsionskräfte (außer bei Trommel- oder Scheibenbremsen)

Falls Du am Vorder- und Hinterrad die gleiche Zahl an Speichen fährst, ist entweder das Vorderrad schwerer als nötig oder das Hinterrad schwächer als ratsam.

Speichenmaße

Der Durchmesser von Speichen wird manchmal in Drahtmaßen ausgedrückt. Es gibt mehrere verschiedene nationale Systeme für ihre Messgrößen und das führt zu Verwirrung. Speziell ist problematisch, dass französische Maße kleiner werden für dünnere Drähte und US/britische Maße größer werden für kleinere Drahtmaße. Der Schnittpunkt dieser verwirrenden Maße liegt zudem noch genau in den verbreiteten Größen, die im Fahrradbereich zum Einsatz kommen:

  • US/britisch 14er Drahtmaß ist das gleiche wie französisches 13er Drahtmaß
  • US/britisch 13er Drahtmaß ist das gleiche wie französisches 15er Drahtmaß

Die neuere ISO-Standardisierung hält sich nicht an alte Maße und bezieht sich einfach auf den Durchmesser des Drahts in mm:

  • US/britisch 13er Drahtmaß entspricht 2,3 mm
  • US/britisch 14er Drahtmaß entspricht 2,0 mm
  • US/britisch 15er Drahtmaß entspricht 1,8 mm
  • US/britisch 16er Drahtmaß entspricht 1,6 mm

Speichen haben entweder einen gleichmäßigen oder variablen (konifizierten) Durchmesser. Gleichmäßige Speichen haben überall die gleiche Dicke.

Speichen mit variablem Durchmesser gibt es in fünf Varianten:

  • Einfach konifizierte Speichen sind am Nabenende dicker als normal, werden dann dünner und bleiben gleichmäßig bis zum Felgenende hin. Einfach konifizierte Speichen sind nicht gebräuchlich, werden jedoch gerne bei Schwerlastaufgaben eingesetzt, wenn eine dickere Speiche in ein kleineres Felgenloch eingesetzt werden muss.
  • Doppelt konifizierte Speichen sind an den Enden dicker als in der Mitte. Die gebräuchlichsten Durchmesser sind 2,0/1,8/2,0mm (auch 14/15er Maß) und 1,8/1,6/1,8 (auch 15/16er Maß). Doppelt konifizierte Speichen sparen nicht nur Gewicht. Die dickeren Enden machen sie haltbarer in den höher belasteten Bereichen als gerade Speichen gleicher Dicke. Das dünnere Mittelstück macht die Speichen flexibler. Sie können temporär mehr gestreckt werden als dickere Speichen. Im Endeffekt bedeutet das, dass sich Speichen bei kurzer scharfer Belastung des Laufrads so weit dehnen können, dass sie einen Teil der Energie auf benachbarte Speichen übertragen können. Dies ist besonders dann ein gewünschter Effekt, wenn der limitierende Faktor die Kraft ist, die eine Felge rund um die Speichenlöcher aushält, ohne zu reißen.
  • Dreifach konifizierte Speichen wie die DT Alpine III sind die beste Wahl, wenn es um Haltbarkeit und Zuverlässigkeit wie zum Beispiel bei Tandems und Lastenfahrräder geht. Sie vereinen die Vorteile von einfach und doppelt konifizierten Speichen. Die DT Alpine III misst am Kopf 2,34mm (13er Maß), 1,8mm in der Mitte und 2,0mm (14er Maß) am Gewinde-/Felgenende. Einfach und dreifach konifizierte Speichen lösen eines der großen Probleme das Laufraddesigns: Speichen haben gewalzte und nicht geschnittene Gewinde. Daher ist der Außendurchmesser des Gewindes größer als der Durchmesser der Speiche selbst. Das Loch im Felgenflansch muss groß genug sein, dass das Gewinde durchpasst, jedoch ist das Loch größer als der Drahtdurchmesser der Speiche. Dies ist unerwünscht, da eine genaue Einpassungen des Speichenkopfs im Loch des Nabenflanschs entscheidend ist, um Ermüdungsbrüche zu vermeiden. Da einfach und dreifach konifizierte Speichen am Kopfende dicker sind als am Gewindeende, können sie mit Naben genutzt werden, deren Löcher gerade groß genug sind, um das dicke Ende des Kopfendes aufzunehmen.
  • Æro-(elliptische-) Speichen sind eine Variante der doppelt konifizierten Speichen, bei denen das dünnere Mittelstück elliptisch abgeflacht ist. Dies macht sie ein klein wenig aerodynamischer als runde Speichen. Die am weitesten verbreitete dieser Speichen ist die Wheelsmith Æro. Sie misst 1,8mm (15er Maß) an den Enden; das Mittelstück ist äquivalent zu einem 16er Maß, jedoch in der Form einer Ellipse von 2,0x1,6mm. Die Wheelsmith Æro war die bevorzugte Speiche für Sheldon Brown bei Hochleistungsanwendungen, im wesentlichen nicht ihrer aerodynamischen Vorteile wegen, sondern weil das flache Mittelstück beim Laufradbau einen hervorragenden Indikator für Verdrehungen der Speiche abgibt. Dies unterstützt den Laufradbauer dabei, Laufräder zu bauen, die richtig eingestellt bleiben - man spricht hier von "stehenden Laufrädern".
  • Æro-(messerförmige-) Speichen haben eine betontere aerodynamische - eher flache als elliptische - Form. Zwar sind sie die aerodynamischsten Speichen, passen jedoch nicht durch Standardnabenflanschlöcher, weil sie zu breit sind. Um Messerspeichen nutzen zu können, müssen die Naben mit einer Feile eingeritzt werden. Dies schwächt aber den Flansch und man verliert zudem die Gewährleistungsansprüche des Herstellers. Zudem hat man eine Menge Ärger damit. In den frühen 1990er Jahren gab es eine Modetorheit für Hoshi-Messerspeichen, welche einen doppelt gebogenen, statt eines einfachen Kopfes hatten. So konnten die Speichen mit dem Kopf voran in normale Nabenflansche eingeführt werden. Unglücklicherweise waren sie sehr bruchanfällig - Sheldon Brown rät von ihrer Verwendung ab.

Das Glossar von Sheldon Brown enthält eine Tabelle mit Speichengewichten.

Speichennippel

Speichennippel werden zumeist aus vernickeltem Messing hergestellt. Dies ist eine gute Materialwahl, da in Messing sehr genaue Gewinde geschnitten werden können und Messingnippel nicht so leicht festkorrodieren.

Für Leichtgewicht- und Hochleistungslaufräder gibt es auch Aluminiumnippel. Sie sparen ein klein wenig Gewicht und sind sehr zuverlässig, wenn man sie richtig benutzt. Aluminiumnippel dürfen nur mit Felgen verwendet werden, die um die Löcher herum ein anders Material haben als Aluminium selbst (geöste Felgen). Aluminium auf Aluminium kann zu einer chemischen Reaktion führen, die die Nippel unbeweglich macht.

Felgen

Ältere Felgen waren aus Stahl hergestellt. Stahlfelgen sind heutzutage überflüssig und werden nur noch in Fahrrädern geringster Güte verbaut. Aluminiumfelgen haben Stahlfelgen verdrängt, da sie leichter, haltbarer und rostfrei sind. Zudem erlauben sie eine besser Bremsleistung. Moderne Felgen sind aus stranggepresstem Aluminium hergestellt. Das halbgeschmnolzene Aluminium wird hierbei durch speziell geformte Öffnungen gedrückt, die die Querschnittsform der Felge bestimmen. Die ausgepressten Stränge werden zu Ringen geformt und entweder durch Schweißen oder durch ein Verbindungsstück in Reifenform gebracht. Viele hochqualitative Felgen haben Ösen, die die Speichenlöcher verstärken.

Speichenlängenrechner

Speichenlängen werden vom Inneren des Knicks am Speichenkopf bis zum äußersten Ende des Gewindes in mm gemessen.

Wenn Du Speichen erwerben willst, die zu einer vorhandenen Felge, Nabe und einem gewünschten Speichenmuster passen, sollte Dein Fachhändler die korrekte Speichenlänge(n) für Dich berechnen können. Die meisten Händler machen das heutzutage mit einem Computerprogramm namens Spokemaster, welches mit einer Datenbank namens Bike-alog on disc geliefert wird. Falls Du selbst die Speichenlängen berechnen möchtest, gibt es im WWW eine Menge Speichenlängenprogramme, folgende wären zu nennen:

Sutherlands Handbook for Bicycle Mechanics hat grafische Darstellungen und Tabellen, mittels derer Du die Speichenlängen ermitteln kannst.

Alternativ kannst Du natürlich auch ein bestehendes Laufrad mit gleichem Muster nehmen und einen guten Anhaltspunkt bekommen. Die Länge ist nicht endgültig entscheidend. Die meisten Speichenlängenrechner geben Längen bis auf einen Zehntelmillimeter an. Speichen werden jedoch in 1mm Längenschritten (manche Marken sogar nur in 2mm Schritten) verkauft. Generell hat Sheldon Brown immer auf die nächste verfügbare Länge aufgerundet.

Nicht erhältliche Speichenlängen lassen sich mitunter auch mit 14mm-Nippeln anstelle der üblichen 12mm-Nippel kompensieren.

Alle folgenden Bilder zeigen das Laufrad von der rechten (Freilauf-) Seite

Bau eines Laufrads

Vorbereitung

Speichengewinde und Speichenlöcher der Felge sollten mit einem leichten Fett oder Öl eingefettet werden, damit sich die Speichennippel leicht genug drehen lassen, um die Speichen fest genug anziehen zu können. Dies ist weniger wichtig geworden durch den Einsatz modernerer Speichen, Nippel und Felgen. Es ist und bleibt jedoch praktisch. Im Falle von Rädern mit Kettenschaltungen müssen nur die rechts liegenden Löcher geschmiert werden. Die links liegenden Speichen werden lose genug bleiben, dass sie die ganze Zeit über leicht zu drehen sein werden. Falls Du sie dennoch schmierst könnten sie sich evtl. von selbst lösen.

Einspeichen

Das Einsetzen wird am einfachsten im Sitzen durchgeführt, während man eine Kante der Felge in den Schoß drückt. Wenn Laufradbau zum täglichen Geschäft gehört, beginnt man damit, alle Speichen in die Nabe einzufädeln und danach verbindet man die Speichen nach und nach mit der Felge. Dieser Ansatz ist etwas schneller, wenn man Laufräder in Reihe produzieren möchte. Der gelegentliche Laufradbauer handelt sich aber das Risiko ein, Einspeichfehler zu begehen.

Gelegenheitslaufradbauer ziehen die Speichen zumeist in Gruppen ein. Ein konventionell gebautes Laufrad hat vier Speichengruppen: Die Hälfte der Speichen kommen auf den rechten Nabenflansch und die andere Hälfte auf den Linken. Jeweils eine Hälfte der Speichen pro Flansch sind folgende und die andere Hälfte sind führende Speichen.

Unterschiedliche Speichen-/Kreuzunsgmuster

Die unten folgende Anleitung bezieht sich auf ein 36 Speichenrad mit dreifach gekreuztem Muster. Dieses kann leicht auf verschiedene Muster adaptiert werden, in dem man Ersetzensregeln beachtet:

Falls man beispielsweise ein 32-Speichen-Rad aufbaut:
* Ersetze 36 mit 32
* Ersetze 18 mit 16
* Ersetze 9 mit 8
* Ersetze 8 mit 7

Falls Du ein Laufrad mit einem unterschiedlichen Kreuzungsmuster bauen möchtest, musst Du auf vergleichbare Art eine Zahl addieren oder subtrahieren.

Bei allen Kreuzungsmustern ist nur die äußerst liegende Kreuzung interlaced, sodass die Speichen hintereinander liegen.

Die Schlüsselspeiche

Die erste zu befestigende Speiche nennt man die Schlüsselspeiche.

Die Schlüsselspeiche

Diese erste Speiche muss am richtigen Platz montiert werden, sonst ist das Ventilloch am Ende an der falschen Stelle (schwer zugänglich für Luftpumpen) und die Bohrungen der Felge passen möglicherweise nicht zu den Winkeln der Speichen. Die Schlüsselspeiche ist eine folgende Speiche auf der Freilaufseite. Es ist am einfachsten, mit den folgenden Speichen zu beginnen, da sie auf der Innenseite des Nabenflansches herauskommen. Falls Du mit den führenden Speichen beginnst, wird es schwieriger, die folgenden Speichen einzuziehen, weil die führenden Speichen im Weg sind.

Da die Schlüsselspeiche eine folgende Speiche ist, sollte sie entlang des Inneren des Nabenflansches verlaufen. Der Speichenkopf ist auf der Außenseite des Flansches. (siehe auch die Anmerkungen zu Welche Seite des Nabenflansches)

Es ist gebräuchlich, die Felge so zu orientieren, dass man den Beschriftung von der rechten Seite das Fahrrads lesen kann. Falls die Nabe auf dem Nabenkörper beschriftet ist, sollte dieser Schriftzug durch das Ventilloch und aus Fahrerposition lesbar sein. Dies hat keinerlei Auswirkung auf die Leistung oder Haltbarkeit des Laufrads. Gute Laufradbauer achten aus ästhetischen und Gründen der Berufsehre auf solche Details.

Felgen sind entweder rechtshändisch oder linkshändisch gebohrt. Dies wird am Verhältnis zwischen Ventilloch und den Speichenlöchern festgemacht. Die Speichenlöcher verlaufen nicht genau in der Mitte der Felge, sondern sitzen abwechselnd leicht links und rechts versetzt entlang der Felge. Bei manchen Felgen ist das erste Speichenloch nach dem Ventilloch links versetzt, bei anderen rechts (wie auf der Abbildung). Welche Felgen sind rechtshändisch und welche linkshändisch? Sheldon Brown hat nie jemanden getroffen, der jemals auch nur einen Erklärungsansatz versucht hätte.

Die Schlüsselspeiche sitzt entweder direkt neben dem Ventilloch oder ein Loch weiter.

Von der rechten (Freilauf-)Seite der Naben gesehen, verläuft die Schlüsselspeiche gegen den Uhrzeigersinn und endet im nächsten oder übernächsten Loch neben dem Ventilloch je nachdem, wie die Felge gebohrt ist. Das Ziel ist es, die vier dem Ventilloch am nächsten gelegenen Speichen so zu legen, dass sie vom Ventilloch wegzeigen, was den Zugang zum Ventil - zum Beispiel zum Aufpumpen - vereinfacht.

Die erste Gruppe

Drehe einen Speichennippel so weit auf die Schlüsselspeiche, dass sie am Platz gehalten wird. Als nächstes steckst Du (in gleicher Richtung und zwei Löcher entfernt von der Schlüsselspeiche) eine weitere Speiche in die Nabe, sodass ein leeres Loch zwischen den beiden in der Nabe bleibt. Diese zweite Speiche endet genau 4 Löcher entfernt von der Schlüsselspeiche durch die Felge, lässt also drei leer bleibenden Löchern dazwischen (Ventilloch nicht mitgezählt).

Fahre so fort, bis alle neun Speichen der ersten Gruppe angebracht sind. Versichere Dich, dass die Abstände in der Nabe (jedes zweite Loch bleibt leer) und Felge (es bleiben immer drei Löcher leer) um das ganze Laufrad herum stimmen. Alle Speichen sollten auf der Felge auf der gleichen Seite durch die Löcher gehen wie auf der Nabe. Das Ergebnis sollte so aussehen wie auf folgendem Bild:

Die Schlüsselspeiche

Die zweite Gruppe

Drehe nun das Rad auf die andere Seite und schaue Dir die Nabe genauer an. Die Löcher am linken Nabenflansch liegen nicht genau auf einer Linie mit den Löchern des rechten Flansches. Sie liegen ziemlich genau zwischen zwei Löchern der rechten Seite. Falls Du das nicht sehen kannst, stecke eine Speiche durch ein Loch und schiebe sie parallel zur Achse auf die andere Seite durch. So wirst Du sehen, dass die Speiche ziemlich genau zwischen zwei Löchern des anderen Flanschs anstößt.

Drehe das Rad solange, bis das Ventilloch nach oben zeigt. Da Du das Rad gerade von der Nicht-Freilaufseite anschaust, ist die Schlüsselspeiche links vom Ventilloch. Falls die Schlüsselspeiche also direkt neben dem Ventilloch ist, fädele eine Speiche im linken Nabenflansch ein, so dass diese neue Speiche direkt links von der Schlüsselspeiche liegt. Von der rechten Seite (Freilaufseite!) betrachtet, sieht dies wie folgt aus:

Die zweite Gruppe

In der Abbildung liegt die Schlüsselspeiche direkt neben dem Ventilloch. Manche Felgen sind aber mit einer anderen "Händigkeit" gebohrt, so dass dies bei deiner Felge anders aussehen kann.

Falls die Schlüsselspeiche ein Loch weiter vom Ventilloch entfernt ist, fädele die Speiche auf der linken Flanschseite so ein, dass sie rechts von der Schlüsselspeiche liegt (von links betrachtet)! Stecke diese Speiche in das Loch zwischen Ventilloch und Schlüsselspeiche.

Wenn du diesen Schritt korrekt ausgeführt hast, kreuzt die Speiche die Schlüsselspeiche nicht. Wenn Du das Rad wieder umdrehst und von rechts auf das Laufrad schaust, ist die zehnte Speiche links von der Schlüsselspeiche an der Nabe und auch links von der Schlüsselspeiche an der Felge. Wie die erste Speichengruppe sind auch diese Speichen der zweiten Gruppe "folgende" Speichen und sie verlaufen auf der Innenseite des Flansches. Das heißt, dass der Speichenkopf aus dem Flansch nach Außen zeigt. Die restlichen acht Speichen dieser Gruppe werden nun genau nach dem Muster der ersten Speiche eingesetzt.

Am Ende dieses Schritts hat das Laufrad 18 folgende Speichen. Auf der Felge sind jetzt immer abwechselnd zwei Speichen, zwei Löcher, zwei Speichen, zwei Löcher usw. Dies ist auch auf der Abbildung unten zu erkennen:

Die zweite Gruppe eingespeicht

Die führenden Speichen

Die erste führende Speiche

Drehe das Laufrad wieder so herum, dass die Freilaufseite zu Dir zeigt. Führe eine Speiche durch ein freies Loch, sodass die Speiche nach außen gelangt - der Speichenkopf liegt also im Inneren des Flansches. Drehe die Nabe (nur die Nabe, nicht die Felge!) im Uhrzeigersinn, so weit wie es noch leicht geht. Da wir ein dreifach gekreuztes Laufrad bauen, kreuzt diese neue Speiche drei folgende Speichen der gleichen Nabenseite.

Auf den beiden ersten Kreuzungen verläuft diese Speiche außen an den folgenden Speichen entlang. Für die letzte Kreuzung muss die Speiche verwoben werde. Die Speiche muss zu diesem Zweck verbogen werden, um sie unter die dritte gekreuzte Speiche zu bekommen. Dies verleiht dem Laufrad seine Seitenstabilität.

Nachdem die Speiche die drei folgenden Speichen gekreuzt hat, gibt es zwei mögliche Felgenlöcher, in die die Speiche gelangen könnte. Nimm das Loch, welches zur richtigen Nabenflanschseite ausgerichtet ist. Dies wird nicht direkt neben einer Speiche liegen, die zur der gleichen Nabenflanschseite führt.

Die restlichen 17 führenden Speichen werden nach dem gleichen Muster verlegt. Falls Du Speichen hast, die nicht die Felgenöse erreichen, versichere Dich, dass alle folgenden Speichen in Ihren Löchern sitzen. Wenn Du alle Speichen eingebaut hast, schaue Dir das Laufrad genau an, ob auch alle Speichen durch ein Felgenloch gehen und immer die jeweils dritte Kreuzung richtig sitzt!

Andere Krezungsmuster

Fertiges Laufrad

Die Anleitung oben bezieht sich auf ein normales, dreifach gekreuztes Laufrad. Falls Du andere Kreuzungsmuster bauen möchtest, musst du die zugehörigen Zahlen aus der Anleitung oben ersetzen. Bei jedem Kreuzungsmuster ist immer nur die äußerste Kreuzung verwoben, sodass die Speiche über den ersten beiden gekreuzten Speichen, aber unter der dritten verläuft.

Initiale Speichenjustierung

Sobald das Laufrad eingespeicht ist, drehe die Speichennippel soweit hinein, bis alle Nippel in etwa gleich weit auf die Speichen gedreht sind. Dies solltest Du mit einem Schraubendreher oder einem Akkuschrauber leicht erledigen können. Ein guter Startpunkt wäre es, die Nippel alle so weit aufzudrehen, dass die Gewinde gerade so im Speichennippel verschwinden. Falls die Speichen etwas kurz geraten sind, kannst Du natürlich auch ein paar Umdrehungen der Gewinde herausstehen lassen. Der kritische Punkt in dieser Phase ist, das alle Speichen gleichmäßige Spannung haben sollten - also gleichmäßig locker sind. Einige mögen etwas gespannter und andere etwas lockerer sein; sie sollten jedoch eine gute Basis ergeben. Sollten einige Speichen wesentlich fester sein als andere, überprüfe das Speichenmuster. Manche Felgen habe eine unterschiedliche Dicke entlang Ihrer Oberfläche. Bei diesen Felgen musst Du die zwei Speichen etwas lösen, die am nächsten am Saum sitzen (normalerweise genau dem Ventilloch gegenüber).

Zu diesem Zeitpunkt verlaufen die Speichen nicht gerade, sondern biegen sich sichtbar zu der Seite, aus der sie die Nabe verlassen. Vor allem die führenden Speichen werden sich stärker nach außen biegen und vom Nabenflansch einen deutlichen Bogen nach außen ziehen, bevor sie sich wieder zur Felge nach innen biegen. Bevor Du Spannung auf die Speichen bringst, solltest Du sie mit der Hand so weit nach innen drücken, dass sie flach am Nabenflansch anliegen. Das geht am einfachsten, wenn man mit dem Daumen etwa zwei Finger breit entfernt vom Nabenflansch gegen die Speiche drückt. Wenn Du diesen Schritt nicht ausführst, werden sich die Speichen nach Abschluss der Arbeiten weiterhin nach Außen wölben. Diese Wölbung wird sich auf den ersten wenigen hundert Kilometern herausziehen, aber die Speichen verlieren dabei Spannung und das Laufrad wird unrund.

Spannen und Zentrieren

Jetzt bist Du soweit, dass das Laufrad in den Zentrierständer eingespannt werden kann. Wenn Du Glück hast, ist das Rad schon weitestgehend zentriert, sei aber nicht überrascht, wenn Du noch weit davon entfernt bist. Falls die Speichen alle noch sehr lose sind, so dass Du die Feld noch leicht hin- und herschieben kannst, drehe jeden Speichennippel genau eine Umdrehunng fester. Beginne am Ventilloch und arbeite Dich genau einmal um die Felge herum, ohne eine Speiche auszulassen. Drehe die Speichennippel in die richtige Richtung!

Wenn Du mit einem Schraubendreher arbeitest ist das ganz leicht. Zum Festziehen drehe im Uhrzeigersinn. Etwas verwirrend wird es, wenn Du mit dem Speichennippeldreher arbeitest. Dann erfasst Du die Nippel von der anderen Seite und musst gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Wiederhole den Vorgang des Spannungsaufbaus, bis das Laufrad anfängt fester zu werden.

Sobald ein wenig Spannung in das Laufrad kommt, musst Du anfangen, es in Form zu bringen. Es gibt vier verschiedene Dimensionen, die Du unter Kontrolle halten musst: laterale Ausrichtung (Seitenschlag), radiale Ausrichtung (Höhenschlag), Mittigkeit und gleichmäßige Speichenspannung. Wenn Du fortfährst, behalte alle vier Faktoren im Auge und arbeite an dem Umstand, der gerade am schlimmsten ist.

Versuche die Zentriereinstellungen der 4 Dimensionen unabhängig voneinander zu gestalten

Seitenschlag (lateral)

Zur Einstellung des Seitenausschlags, drehe das Laufrad im Zentrierständer und finde die Stelle, die am weitesten ausschlägt gegenüber dem Rest der Felge. Falls die Felge nach links ausschlägt, spanne die Speichen, die zum rechten Nabenflansch gehen und löse diejenigen, die nach links gehen. Wenn Du dieses Spannen und Lösen gleichmäßig durchführst, kannst Du die Felge geradeziehen, ohne die Rundheit des Laufrads zu beeinflussen.

Beispiele:
Falls die Felge nach links ausschlägt und der Mittelpunkt des Ausschlags liegt genau zwischen zwei Speichen, ziehe die Speichen, die zum rechten Flansch gehen 1/4 Drehung an und löse die zum linke Flansch um 1/4 Drehung.
Falls der Mittelpunkt des Ausschlags nach links genau auf Höhe einer Speiche vom rechten Nabenflansch liegt, ziehe diese Speiche um 1/4 Umdrehung an und löse die beiden nächsten Speichen, die zum linken Flansch gehen um 1/8 Drehung.
Falls der Mittelpunkt des Ausschlags nach links genau auf Höhe einer Speiche vom linken Nabenflansch liegt, löse diese Speiche um 1/4 Umdrehung und spanne die beiden nächsten Speichen, die zum rechten Flansch gehen um 1/8 Drehung.


Nachdem Du diesen schlimmsten Ausschlag zur linken Seite begradigt hast, suche den schlimmsten Ausschlag nach rechts und korrigiere diesen. Das machst Du immer abwechselnd. Versuche nicht jeden dieser Bereiche perfekt auszurichten. Verbessere nur die Ausgangslage. Das Laufrad wird sich Stück für Stück immer weiter gerade ziehen.

Höhenschlag (vertikal)

Zur Korrektur des Höhenschlags, suche die höchste Stelle der Felge. Falls der Mittelpunkt dieser Erhebung genau zwischen zwei Speichen liegt, spanne diese beiden Speichen jeweils um 1/2 Umdrehung. Falls die Erhebung genau auf einem Speichenende liegt, spanne diese Speich um eine ganz Umdrehung und die beiden nächstgelegenen Speichen um 1/2 Umdrehung Der Aufwand, den Höhenschlag zu einzustellen, ist größer als beim Seitenschlag. Vertikales Zentrieren wird normalerweise nur durch Erhöhung der Speichenspannnung vorangetrieben.

Mittigkeit

Sobald die Ausrichtung des Seitenschlags recht gut wird (innerhalb weniger mm), solltest Du die Mittigkeit der Naben in Bezug auf die Felge betrachten. Nimm die Zentrierlehre zur Hand und setze sie auf der einen Seite des Laufrads an, so dass sie am Achsende und auf beiden Seiten an der Felge anliegt. Nimm sie ab, ohne sie zu verstellen, und setze sie auf der anderen Seite an. Wenn die Lehre jetzt nicht auf beiden Seiten an der Felge anliegt, dann müssen die Speichen auf dieser Seite angezogen werden, um die Felge einzumitten. Wenn die Lehre an beiden Seiten der Felge anliegt aber nicht die Achse berührt, müssen die Speichen der anderen Seite angezogen werden. Falls die Mittigkeit mehr als 2-3 mm abweicht, solltest Du am Ventilloch anfangen und Dich um die Felge herumarbeiten und alle 18 Speichen um etwa 1/2 Drehung anziehen. Wenn die Mittigkeit eine Abweichung von nur nach 1-2mm aufweist, musst Du wieder am Seitenschlag arbeiten. Doch dieses mal nicht abwechseln links und rechts, sondern nur auf einer Seite. Falls die Felge nach rechts wandern muss, suche den schlimmsten Seitenschlag nach links und korrigiere ihn. Danach mach beim nächste Seitenschlag nach links weiter usw.

Während des ganze Vorgangs solltest Du den Höhenschlag im Auge behalten. Wenn dieser Fehler größer wird als der Seitenschlag, arbeite wieder am, Höhenschlag usw.

Speichenspannung

Du solltest ebenfalls die Speichenspannnung auf der Freilaufseite im Auge behalten. Es gibt drei Wege, diese Spannung zu prüfen.

  1. Teste, wie schwer es ist, die Speichennippel zu drehen. Falls die Kraft so groß wird, dass Du Sorge bekommst, dass Du den Speichennippel rund drehen könntest, hast Du das Maximum erreicht. Vor 15 Jahren war dies ein limitierender Faktor und Du hättest versucht, die Speichennippel so fest zu ziehen, ohne sie zu zerstören. Moderne hochqualitative Speichen und Speichennippel haben bessere maschinell gedrehte Gewinde. Esbesteht aber weiterhin die Gefahr, sie so fest zu drehen, dass die Felge reißt.
  2. Zupfe an den Speichen an den Kreuzungsstellen und versuche die Tonhöhe des Klangs zu bestimmen. Falls Du keine Klavier zur Hand hast,oder kein perfektes Gehör besitzt, vergleiche den Klang mit einem fertigen Laufrad mit gleichem Speichenmaß. Bevor Sheldon Brown ein Speichentensiometer benutzte, hatte er immer eine Kassettenaufnahme seines Klaviers dabei, welches ein F# (Fis) spielte. Dieser Ton ist eine gute Referenz für Stahlspeichen von durchschnittlicher Länge. (Mehr Details findest Du hier: John Allens: Check Spoke Tension by Ear)
  3. Der besten Weg ist die Nutzung eines Speichentensiometers. Jeder wohlausgestattete Fahrradladen sollte eines besitzen. Die durchschnittliche Spannung der Speichen auf der Freilaufseite sollte auf eine einheitlichen Standard gebracht werden.

Falls die Freilaufseite eine richtige gute Spannung erreicht hat und das Laufrad eingemittet wurde, sollten die Speichen der linken Seite etwas lockerer sitzen als die auf der rechten Seite. Nichtsdestotrotz solltest Du auch die linke Laufradseite auf Einheitlichkeit der Spannung überprüfen.

Speichentorsion

Während das Laufrad Spannung aufbaut, wirst Du es mit dem Effekt der Speichenverdrehung (oder -torsion) zu tun bekommen. Wenn Du den Speichenschlüssel drehst wird sich die Speiche wegen des Reibungswiderstands des Gewindes ein wenig mitdrehen. Wenn der Speichennippel weit genug hineingedreht ist, wird der Widerstand des Gewindes größer und das Gewinde dreht sich im Speichennippel mit. Ein guter Laufradbauer kann im Gegensatz zu einer Maschine diese Drehung erfühlen. Wenn Du das Laufrad fertigstellst und es perfekt eingestellt scheint, aber die Speichen noch verdreht sind, wird es sich auf der Straße dezentrieren.

Diesem Problem kann man durch sensiblen Umgang mit dem Speichenschlüssel vorbeugen. Du musst die Dreheung etwas überziehen und wieder zurückdrehen. Mit anderen Worten gesagt, musst Du bei einer 1/4 Drehung etwas mehr als 1/4 weit drehen und dann wieder so weit zurückdrehen, dass die Speiche wieder mit zurückgedreht wird und Du wieder bei 1/4 Drehung landest. Diese Rückdrehung sorgt dafür, dass die Speichentorsion aufgehoben wird.

Dies ist bei unkonfizierten Speichen wesentlich einfacher, da sie etwas steifer sind und es ist einfacher die Torsion zu fühlen als bei konifizierten Speichen. Daher hat Sheldon Brwon "aerodynamische" Speichen bevorzugt eingesetzt - nicht wegen der Aerodynamic - sondern, weil man die Speichentorsion sogar sehen kann.

Setzen und Spannungsabbau der Speichen

Bevor das Laufrad auf die Straße kann, müssen Spannungsspitzen abgebaut werden, da sich die Biegung am Speichenkopf dem Nabenflansch anpassen muss und ein ähnlicher Prozess läuft ab an der Stelle, wo der Speichennippel in der Felge sitzt. Mancher Laufradbauer macht das, indem er das ganze Rad verwindet, andere, indem Sie immer vier Speichen auf einmal greifen und zusammendrücken. Die bevorzugte Technik von Sheldon Brown war es mit einem Hebel die Speichen an den Kreuzungsstellen umeinander zu biegen. Seine bevorzugtes Hebelwerkzeug war ein gebrauchter linker Kurbelarm.

Diese spezielle Technik hat den zusätzlichen Vorteil, dass die Speichen an den Kreuzungspunbkte so weit gebogen werden, dass sie in einer geraden Linie von diesem Punkt aus in beide Richtungen verlaufen. Wenn man sich um das Laufrad herumarbeitet, hört man vermutlich quietschende Geräusche und leise "Pling"s während die Einzelteile des Laufrads sich näher und n

Nachdem man dies getan hat, muss man das Laufrad vermutlich nochmals nachzentrieren. Wiederhole den Vorgang so lange bis keine Geräusche beim Spannungsabbau zu hören sind und auch das Laufrad nicht mehr dezentriert.

Jobst Brandt, der Autor des exzellenten Buchs The Bicycle Wheel erläutert den weniger offensichtlichen Vorteil des Spannungsabbaus.

"...After cold forming, steel always springs back a certain amount (spokes are entirely cold formed from wire). Spring-back occurs because part of the material exceeded its elastic limit and part did not. The disparate parts fight each other in tension and compression, so that when the spoke is tensioned, it adds to the tensile stress that can be, and often is, at yield.
"...When spokes are bent into place, they yield locally and addition of tension guarantees that these places remain at yield. Because metal, at or near the yield stress has a short fatigue life, these stresses must be relieved to make spokes durable.
"...These peak stresses can be relieved by momentarily increasing spoke tension (and stress), so that the high stress points of the spoke yield and plastically deform with a permanent set. When the stress relief force is relaxed these areas cannot spring back having, in effect, lost their memory, and drop to the average stress of the spoke."

Wenn Du diesen letzten Schritt durchgeführt hast, hast Du ein Laufrad, welches perfekt zentriert und rund ist. Es wird so länger halten als jedes maschinell hergestellte Laufrad. Zudem hast Du eine Menge über das Zentrieren von Laufrädern gelernt und darfst Dich wie ein echter professioneller Fahrradmechaniker fühlen.

Definitionen

In diesem Artikel werden drei nicht-stanardisierte Begriffe benutzt, da es im Fahhradbereich keinen einheitlichen Sprachstandard für diese Begriffe gibt.

Folgende Speichen
  • Die Schlüsselspeiche ist die erste Speiche, die im Laufrad eingezogen und befestigt wird. Die Position dieser Speiche bestimmt die Position aller anderen Speichen des Laufrads in Bezug zum Ventilloch.
  • Folgende Speichen werden im Fall des Hinterrads gespannt, wenn Druck auf das Pedal ausgeübt wird. Sie werden folgende Speichen genannt, da sie nach hinten weisen, wenn das Laufrad in den Rahmen eingesetzt wird. In den Illustrationen des Artikels sind folgende Speichen in gelb und rot dargestellt.
  • Führende Speichen verlassen die Naben in Laufrichtung. Sie sind in blau illustriert.

Die folgenden Speichen "ziehen" an der Felge unter dem Drehmoment des fahrenden Laufrads. Die führenden Speichen ziehen weniger stark unter dem Fahrdrehmoment. Jede Speiche trägt gleichviel dazu bei, dass sich die Felge in Bezug zur Nabe in gleicher Geschwindigkeit dreht. Mancher Autor nenn die folgenden Speichen auch fahrend oder ziehend und die führenden Speichen werden gerne auch als spannend oder statisch genannt. Diese Begriffe können zu Verwirrung führen, da alle Speichen zum Fahren beitragen. Sie stehen alle unter Spannung und ziehen. Je nach Sichtweise ist keine oder sind sie alle statisch.

Welche Seite des Nabenflanschs?

Hinterräder mit Kettenumwerfern sollten so eingespeicht werden, dass die folgenden Speichen auf der Innenseite des Nabenflanschs entlanglaufen. Dafür gibt es drei Gründe:

  • Die Speichen sind am äußersten Kreuzungspunkt umeinander gebogen. Unter Last - vor allem im kleinsten Gang - liegen an den folgenden Speichen Zugkräfte an und die führenden Speichen werden noch mehr gebogen. Falls das Laufrad nun die folgenden Speichen außenliegend hätte, würden die Kreuzungspunkte nach außen in Richtung Umwerfer gedrückt und könnten unter Last unter Umständen gegen den Umwerfer stoßen.
  • Falls die Kette wegen eines falsch eingestellten oder defekten Umwerfers über das innerste Ritzel fällt, kann sie stärker zwischen Freilauf und Speichen eingeklemmt werden. Die Schräglage der Speichen kann die Einkeilung der Kette unter Last begünstigen.
  • Falls die Kette über das kleinste Ritzel nach Innen springt, können die getroffenen Speichen beschädigt und geschwächt werden. Da folgende Speichen mehr Last aushalten müssen als führende Speichen, ist es ratsam diese Speichen durch ihre Innenlage mehr zu schützen als die führenden Speichen.

Es ist unerheblich auf welcher Seite man die Speichen auf der linken Laufradseite anbringt, jedoch macht es den Laufradbau einfacher, wenn auch hier die folgenden Speichen innen liegen.

Bei Fixed-Gear Laufrädern oder Trommelbremsenlaufrädern ist es jedoch genau umgekehrt besser, die folgenden Speichen nach Außen zu verlegen, da die Gefahr der abspringenden Kette hier eher beim Rückwärtstreten gegeben ist.

Anmerkung: Dieser Aspekt ist nicht wichtig. Gute Laufräder können auf beide Weisen gebaut werden.

Speichenmuster

Semitangential

Konventionelle semitangentiale Speichenmuster werden als 3-fach gekreuzt, 4-fach gekreuzt, usw. bezeichnet. Beispielsweise bedeutet 3-fach gekreuzt, dass eine Speiche drei andere Speichen kreuzt, die von der gleichen Seite Nabenflanschs starten. Die meisten Laufräder sind nach dem 3-fach gekreuzten Muster gebaut. Höhere Kreuzungszaheln führen dazu, dass die Speiche näher an der Nabentangente verlaufen müssen. Das macht sie widerstandsfähiger bei hohen Drehkräften durch schnelles Pedalieren in niedrigen Gängen und auch bei Bremskräften durch Felgenbremsen. Niedrigere Kreuzungszahlen bedeuten, dass die Speichen näher an den radialen Verlauf angenähert werden.

Im Fall von radialer Einspeichung verlaufen die Speichen direkt von der Nabe zur Felge, ohne eine andere Speichen zu kreuzen.

Bei niedrigen Kreuzungszahlen werden die Laufräder etwas leichter, da kürzere Speichen verwendet werden können. Auch werden die Laufräder etwas stabiler gegenüber Seitenkräften.

Je mehr Speichen ein Laufrad besitzt, desto größer muss die Kreuzungszahl werden.

  • 48 Speichenräder werden für gewöhnlich 5-fach gekreuzt
  • 40 Speichenräder werden 4-fach gekreuzt
  • 36 Speichenräder werden 3-fach gekreuzt oder 4-fach gekreuzt
  • 32 Speichenräder werden 3-fach gekreuzt
  • 28 und 24 Speichenräder werden 2-fach gekreuzt

Im Fall von ungewöhnlich großen Naben und schmalen Felgen müssen häufig kleinere Kreuzungszahlen verwendet werden, um zu vermeiden, dass die Kreuzungspunkte zu nah an den Speichennippeln liegen. Der Rohloff-Speedhub ® zum Beispiel hat 32 Speichenlöcher und wird normalerweise 2-fach gekreuzt eingespeicht.

Radial

Bei radial eingespeichten Laufrädern verlaufen die Speichen auf direktem Weg von Nabe zur Felge. Dieses Speichenmuster ist nur ratsam bei Laufrädern ohne Nabenbremsen. Sie sind sehr ansehnlich und meist eine gute Wahl für Performanceoptimierungen, da sie etwas leichter und rein theoretisch etwas aerodynamischer sind.

Es gibt allerdings zwei Aspekte bei radialen Laufrädern zu beachten.

  • Da die Speichennippel direkt in Richtung Nabe zeigen, können sie sich leichter verdrehen als die leicht verzogenen Speichennippel von tangentiel eingespeichten Laufrädern. Das erhöht das Risiko, dass sich Speichen von selbst während der Fahrt losdrehen können. Um das zu verhindern, sollten bei radialen Laufrädern die Speichnnippel mit Wheelsmith Spoke Prep oder leichteren Varianten von Loctite ® befestigt werden.
  • Eine weitere Gefahr lauert auf der Seite der Nabe. Durch die direkten senkrechten Zugkräfte der Speiche auf das Nabenflanschloch, könnten die Löcher am äußersten Ende einreißen. Dies ist eher wahrscheinlich bei schmalflanschigen Naben mit 36 Löchern, weil sich hier weniger Material zwischen Loch und Außenkante befindet. Zudem können bei gebrauchten Naben, die vorher nicht-radial eingespeicht waren, die Kerben der alten Speichen zusätzlich als Schwächungspunkte wirken.

Viele Nabenhersteller empfehlen ausdrücklich, Ihre Naben nicht radial einzuspeichen und man verliert den Garantieanspruch, wenn man sie dennoch radial einspeicht.

Mancher behauptet nun, dass man kein Laufrad radial einspeichen darf und man sollte es nur auf eigens Risiko machen. Sheldon Brown jedoch würde radialer Einspeichung bei hochqualitativen Naben mit geschmiedeten Körpern generell nicht widersprechen.

Falls Du Dein Glück mit radialer Einspeicheung versuchen möchtest, empfiehlt Sheldon Brwon dicke Speichen und hohe Speichenspannung zu vermeiden. Da Vorderräder gruindsätzlich unpropblematischer sind als Hinterräder, ist hohe Speichenspannung bei Laufrädern mit sinnvoller Speichenzahl nicht unbedingt notwendig.

Es ist Fahrradfahrerlegende, dass radiale Laufräder ein härteres Fahrgefühl vermitteln, da sich kürzere Speichen weniger stark verbiegen können.

Laufräder mit Nabenbremsen und Antriebsräder sollten niemals radial eingespeicht werden. Durch die nahezu orthogonale Ausrichtung der Speichen bezüglich der Nabe wird die Speichenspannung bei jeglicher Kraftauswirkung unnötig erhöht und wird fast sicher in Naben- oder Felgenrissen enden.

Halbradial

Mehr und mehr Hinterräder werden halbradial eingespeicht, mit semi-tangentialem Muster auf der rechten und radialem Muster auf der linken Seite. Radial eingespeichte Vorderräder sind eher für ästhetische Zwecke interessant aber halb-radiale Hinterräder können substantiell haltbarer als konventionelle sein. Die Zunahme an Ritzeln bei Kettenschaltungen nötigen Laufradbauer die Felgen mehr und mehr von der Nabenmitte zu versetzen. Das hat zu Vermehrung an Speichenbrüchen auf der linken Seite der Antriebsräder durch Metallermüdung geführt. aused by metal fatigue.

Ein eingespeichtes Laufrad basiert auf der konstanten Speichenspannung aller Speichen. Ein stark versetztes Hinterrad hat auf der linken Seite eine eher leichte Speichenspannung. Die Drehmomente harten Pedalierens in Kombination mit dem Fahrergewicht kann dazu führen, dass die führenden Speichen kurzfristig komplett entspannt werden. Die regelmäßige Wiederholung von Entspannung und Spannung können diese Speichen Ermüden und schließlich Brechen.

Mit halb-radialer Einspeichung wird die Versetzung nach außen auf der linken Seite weniger stark, wenn man alle Speichen auf der Innenseite (Kopf nach außen) einspeicht. Zusätzlich gibt es keine führenden Speichen, auf die eine Entspannung wirken kann. Falls Du ein altes Laufrad hast, an dem regelmäßig die Speichen auf der linken Seite brechen, baue diese halbseitig neu mit radialem Speichenmuster auf und Du bist dieses Problem los.

Falschherum Halbradial

Manche Hinterräder sind genau umgekehrt halbradial eingespeicht. Sie haben das radiale Muster auf der rechten und das semi-tangentiale Muster auf der linken Seite. Dies wird gemacht, um dem Kettenumwerfer mehr Raum zu verschaffen an Laufrädern mit ungewöhnlich dicken Speichen oder ungewöhnlichen Nabenflanschformen. Diese Laufräder benötigen Naben mit sehr hoher Torsionssteifigkeit um die Antriebskräfte auf die linke Seite übertragen zu können.

Quellen

Weitere interessante Artikel zum Thema Laufradtechnik
Weitere interessante Artikel zum Thema Sheldon Brown