Ein bequemer Sattel

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Jeder hätte gerne einen bequemen Sattel an seinem Fahrrad. Es ist aber nicht offensichtlich, was einen bequemen Sattel ausmacht.

Jedes Frühjahr verkaufen Fahrradhändler bergeweise neue Sättel an Radfahrer, weil deren alte Sättel unbequem geworden seien nachdem sie im Herbst mit dem Fahrradfahren aufgehört haben. Sie sind jetzt die ersten ein oder zwei Touren gefahren und fanden den Sattel weniger bequem als sie ihn in Erinnerung hatten. Sie haben von den neuesten hippen Sattelgimmicks gehört und wollen unbedingt einen solchen Sattel haben!

Sie kaufen den neuen Sattel und schrauben ihn ans Fahrrad, fahren ein paar mal und glauben, dass der neue Sattel viel bequemer sei als der Alte. Sie erzählen es allen ihren Freunden und dass sie unbedingt auch genau diesen Sattel bräuchten...

War das wirklich der neue Hightech-Sattel? Oder hatte sich der Fahrer nur vom alten Sattel entwöhnt über die Winterpause? In den meisten Fällen ist nur notwendig, sich ein paar mal auf das Rad zu schwingen und ein paar länger werdende Fahrten zu unternehmen, um sich wieder seinen guten und gut eingestellten Sattel zu gewöhnen. Falls Du Dich früher schon auf Deinem Sattel wohlgefühlt hast, kaufe nicht zu schnell einen Neuen.

Es ist Dir aufgefallen, dass Sheldon Brown von einem "Sattel" und nicht von einem "Sitz" spricht. Der Grund ist, dass ein "Sitz" gebaut wurde um Dein ganzes Gewicht zu tragen. Liegeräder haben Sitze, konventionelle Fahrräder jedoch haben "Sättel". Ein Sattel wurde gebaut, nur einen Teil Deines Gewichts zu tragen. Der Rest des Gewichts wird von Deinen Beinen, Händen und Armen getragen.

Ein aus der Form geratener Fahrradfahrer, der mehrere Monate nicht auf dem Fahrrad gesessen hat, wird mit viel Kraft wieder neu starten aber die Beine werden schnell müde. Sobald Beine ermüden, wird der Fahrradfahrer mehr Gewicht auf den Sattel geben und dann geht es mit den Schmerzen los. Die meisten Klagen über Sättel lassen sich meist genau darauf zurückführen, dass der Fahrer zu schnell ermüdete bei seiner ersten langen Fahrt in der Saison, ohne darau7f vorbereitet gewesen zu sein.

Falls Du mehrere Monate nicht mehr im Sattel gesessen hast, solltest Du damit rechnen, wund zu werden , sobald Du eine ernsthaft längere Strecke fährst.

Sollte die Pause mehrere Monate oder gar Jahre gedauert haben, lege erst einmal mit wenigen kurzen Fahrten los, höchstens 2-3 Kilometer. Erhöhe mit der Zeit unmerklich die zurückgelegte Distanz. Das kann sehr frustrierend sein, es dauert jedoch eine ganze Weile, Dein Hinterteil wieder ans Fahrradfahren zu gewöhnen. Jeder, der halbwegs gut in Form ist, kann sich jederzeit für 20-30km auf sein Fahrrad schwingen. Wenn man sich nicht wieder an das Fahrradfahren gewöhnt hat, kommt man als Untrainierter als körperliches Wrack zurück.

Das soll nicht bedeuten, dass es nicht bedeutende Unterschiede bei Sätteln gibt oder dass es egal ist, welchen Sattel Du fährst. Es ist jedoch ein Fakt, dass Sättel, die als Originalausstattung an Fahrrädern verbaut werden meist denjenigen unterlegen sind, die man als gute Sättel im Fachhandel erwerben kann.

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Hart oder weich?

Falls ein Radfahrer einen Sattel unbequem findet, sucht er meist im ersten Anlauf nach einem weicheren Modell. Dies stellt sich meist als Fehler heraus. Genau wie die weiche Matratze nicht unbedingt die komfortabelste Methode ist, sich zu betten, so ist der weichere Sattel nicht unbedingt der bequemste zum Radfahren.


Das Sitzbeinhöcker-Problem

Stelle Dir vor, Du säßest auf einem Tisch. Dein Gewicht wird dann von den beiden Auswölbungen des Beckenknochens - den Sitzbeinhöckern (Tuber ischiadicum) - getragen. Dies sind die Teile Deines Körpers, die dazu da sind, Dein sitzendes Gewicht zu tragen. Die meisten sattelspezifischen Unbehaglichkeiten rühren daher, dass das Gewicht von den Weichteilen zwischen diesen beiden Höckern getragen wird.

Das kann man sich in etwa so vorstellen, dass man jetzt ein Kissen auf den Tisch legt und sich darauf setzt. Deine Sitzhöcker sinken durch das Gewicht bis zum Tisch durch und das Kissen wölbt sich dazwischen leicht nach oben. Der Unterschied ist, dass Du nun Druck zwischen den Sitzhöckern vom Kissen spürst.

Viele Radfahrer sind sich dieses Problems nicht bewusst und viele Sättel sind so hergestellt, dass der unerfahrene Käufer glaubt, der Komfort ließe sich dadurch ablesen, wie weit man mit dem Daumen in das Gewebe des Sattels drücken kann. Diese Art Sättel sind aber nur für kurze Fahrten komfortabel (wobei ein unerfahrener Radfahrer diesen meist bequemer findet als einen guten Sattel, solange die Fahrt nicht länger als zwei bis drei Kilometer dauert)

Sättel mit dicker Polsterung sind häufig die Ursache für schmerzhafte Aufscheuerungen auf der Innenseite der Oberschenkel bei längeren Touren.

Breit oder schmal?

Die Breite eines Sattels ist entscheidend für den Sitzkomfort und sollte in Bezug zu den Sitzhöckern des Fahrers stehen. Wenn der Sattel zu schmal ist, ragen die Sitzhöcker über die Seiten des Sattels hinweg und die Weichteile zwischen den Sitzhöckern müssen das Gewicht des Fahrers tragen. Wenn der Sattel zu breit ist, sind vor allem bei heißem Wetter Abschürfungen an den Innenseiten der Oberschenkel möglich.

Viele Symptome eines möglicherweise unpassenden Sattels sind auf eine falsche Justierung des Sattels zurückzuführen. Bevor man einen Sattel als unpassend austauscht, sollte man alle Möglichkeiten der Satteljustage ausgetestet haben.

Gel

Ein Schlagwort bei der Sattelherstelung ist das Wort "Gel", das oft als Allheilmittel für alle Sattelprobleme herangezogen wird. Das Material, das "Gel" genannt wird ist eine bestimmte Art Zellstoffschaum, in dem sich Luftblasen höheren Drucks befinden.

Nur weil ein Sattel die Aufschrift "GEL" trägt, sagt dies nichts über seine Bequemlichkeit aus - das ist nichts als Hype.

Plastik oder Leder?

Es gibt zwei grundsätzlich verschieden Arten von Sätteln, die gebräuchlich sind: Sättel mit unterpolstertem Kunststoff oder aus gespanntem Leder.

Unterpolsterte Kunststoffsättel

Der typische moderne Sattel besteht aus vier Teilen

Der Rahmen

Der Metallrahmen wird gewöhnlicherweise aus Stahl- oder Titanrohren, die grob wie der Buchstabe "V" geformt sind, hergestellt.

Die Basis

Die Kunststoffbasis des Sattel ist an drei Punkten mit dem Metallrahmen verbunden. Diese Basis kann sowohl aus Hartplastik oder flexiblem Kunststoff hergestellt sein. Bessere Sattelbasen bewegen sich flexibel unter dem Fahrergewicht und sind meist unter den Sitzhöckern dünner, um sie stoßresistenter zu machen.

Ein aktueller Trend ist es, ein großes Loch in der Mitte der Basis zu belassen, um den Druck auf die Weichteile des Fahrers oder der Fahrerin zu verringern. In manchen Fällen bedecken die Polsterung und die Satteldecke dieses Loch, in anderen Fällen ist das Loch sichtbar und der Sattel sieht in etwa so aus wie ein dreieckiger Doughnut.

Das funktioniert für manche Leute gut und für andere nicht, da der Rand des Lochs kantig sein und der Druck auf die Weichteile sogar noch erhöht werden kann.

Die Sattelbasis muss der speziellen Anatomie des Fahrers angepasst sein. Es gibt eine große Variationsbreite zwischen den individuellen Fahrern. Das heißt, dass ein Sattel für den Einen bequem sein kann und für einen Anderen ist er das reinste Foltergerät.

Die Polsterung

Die Polsterung ist meist aus Zellschaumstoff hergestellt, manchmal in der "Gel"-Variante. Falls diese Polsterung zu weich oder zu dick ist, kann sie Probleme durch erhöhten Druck auf die Weichteile oder Abschürfungen erzeugen

Die Satteldecke

Die Satteldecke, die glatt aber nicht rutschig, nachgiebig aber nicht brüchig und zuallerletzt atmungsaktiv sein sollte, kann aus folgenden Stoffen bestehen:

  • Leder, das bei besseren Sätteln zum Einsatz kommt und alle gewünschten Eigenschaften vereint.
  • Lycra®, ist glatt und atmungskativ, aber manchmal etwas rutschig, und leider bruchanfällig. Die besseren Lycra®-Sättel haben deswegen Kunststoffverstärkungen an den am meisten beanspruchten Stellen (die drei Ecken).
  • Vinyl (bzw. Vinylbezogener Stoff), hat einen ungefähr dem Leder entsprechenden Oberflächentextur und Konsistenz. Vinyl tendiert etwas zu rutschigerer Haptik und ist wenig atmungsaktiv. Es ist haltbarer als Lycra® und günstiger als Leder.

Gespannte Ledersättel

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein wurden die meisten hochqualitativen Fahrräder mit gespannten Ledersätteln ausgeliefert. Der zugrundeliegende Metallrahmen entspricht in etwa dem oben beschriebenen Rahmen der Kunststoffsättel. Jedoch gibt es eine gebogenen Metallbrücke zwischen den beiden rückwärtigen Enden des Rahmns. Ein dickes Strang Leder ist an diese Brücke genietet und mit einem verstellbaren Montagepunkt an der Sattelspitze verbunden. Das Leder gibt Unterstützung wie eine Art Hängematte.

Der gut geformte Ledersattel ist eine perfekte Wahl für einen Vielfahrer, dem es nichts ausmacht, dass der Sattel etwas schwerer als ein Kunststoffsattel ist.

Ledersättel unterstützen die Bewegung, indem sich das Leder mit der Fahrerbewegung flexibel mitbewegt, ohne dass man eine Polsterung benötigt. Das Fehlen dieser Polsterung ist vor allem bei heißem Wetter ununterschätzbar, da die Wärme und der Schweiß durch die Poren des Leder "atmen" können.

Ledersättel passen sich durch Ihre Flexibilität der individuellen Form des Fahrers an, wie es auch ein Wasserbett macht.

Sie benötigen mehr Pflege als Kunststoffsättel. Mehr über Ledersättel erfährst Du im Sheldon Brown Artikel über Ledersättel

Sattelüberzüge

Im Handel sind viele verschiedene Sattelüberzüge erhältlich, die man über die Satteldecke spannen kann. Die meisten sind es nicht wert, sich mit ihnen zu beschäftigen. Falls Dein Sattel für Dich unbequem ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass irgendeine Zusatzvorrichtung ihn für Dich komfortabel gestaltet. Wenn der Sattel die falsche Form für Deine Anatomie hat, kann kein Accessoire das Problem beheben. Beiß' in den sauren Apfel und kaufe Dir einen neuen Sattel.

Satteljustage

Ein Sattel kann in einer von drei Dimensionen justiert werden, die alle gleich wichtig sind

Höhe

Die grundlegendste Justagedimension ist die Sattelhöhe. Die meisten Fahrradfahrer haben ihren Sattel zu niedrig eingestellt, so dass ihr Knie sich über Gebühr beim Pedalieren bewegen müssen. Dadurch wird das Fahrradfahren bei bestimmten Geschwindigkeiten ermüdender und kann zu Knieschäden führen.

Ein Grund für die zu niedrige Justierung ist es, dass die meisten Fahrradfahrer nicht die richtige Technik beim Anfahren und Anhalten des Fahrrad gelernt haben, so dass sie es besser finden, einen Fuß am Boden zu haben während man anhält. Bei älteren Fahrrädern war es möglich, das Rad - große Füße vorausgesetzt - mit einem Zehen am Boden anzuhalten, wenn der Sattel richtig justiert war. Durch die höher gelegenen Tretlager bei modernen Fahrrädern - vor allem Mountainbikes - ist dies nicht länger möglich. Wenn Du ein MTB fährst und es im Sitzen in Balance halten kannst, während das Fahrrad steht, ist das ein sicheres Zeichen, dass der Sattel zu niedrig eingestellt ist. Das trifft auch für die meisten Hybridfahrräder zu.

Wenn der Sattel zu niedrig eingestellt ist, ist es schwieriger für die Beine, das Gewicht des Körpers zu tragen und man sitzt mit mehr Gewicht im Sattel. Dadurch können wiederum Unbehaglichkeiten mit dem Sattel entstehen.

Wie hoch?

Es existieren eine Menge Formeln für die Sattelhöhe, die meisten basierend auf einem Schummelparamater. Die numerische Ausweitung bis auf die dritte Nachkommastelle lässt den wissenschaftlichen Blödsinn erkennen, der dahinter steckt. Sheldon Brown sagt, dass alle diese Formeln eine starke Vereinfachung des eigentlichen Problems, dass sich aus Beinlänge, Fußlänge, Fußausrichtung auf dem Pedal, Schuhsohlendicke, Pedaltyp und Pedalierstil darstellen.

Man kann die Sattelhöhe nicht akkurat durch Aufsitzen oder um den Block fahren bestimmen. Je näher man sich der korrekten Position annähert, desto subtiler werden die Veränderungen.

Die meisten Leute beginne mit dem zu niedrig eingestellten Sattel. Das ist eine Gewohnheit aus Kindertagen, da die man als Kind den Sattel niedriger benötigt, um effizient Pedalieren zu können. Zuerst hat man den Sattel aus Sicherheitsgründen niedrig, um Balance zu erlernen. Danach ist man mit seinem Wachstum meist der Satteljustage ein Stück voraus.

Wenn Du den Sattel immer zu niedrig eingestellt hast, wirst Du Dich unweigerlich daran gewöhnen und das vorhandene Problem nicht erkennen. Den Sattel zu niedrig nutzen ist wie ständig mit gebeugten Knien herumlaufen. Wenn Du die ganze Zeit so herumliefest, würdest Du Dich auch daran gewöhnen, jedoch wäre schon ein Kilometer ein gewaltiger Marsch. Das menschliche Bein ist am stärksten, wenn es nahezu gestreckt ist.

William Blake hat es im 18. Jahrhundert sehr schön zusammengefasst.

Du wirst nie wissen, was genug ist, wenn Du nicht weißt, was zuviel ist.

Sheldon Brown empfiehlt, den Sattel Stück für Stück in etwa jeweils einen Zentimeter höher zu stellen. Jedesmal danach sollte man das Fahrrad fahren. Wenn es sich nicht spürbar schlecht anfühlt, sollte man direkt mehrere Kilometer damit fahren.

Falls der Sattel vorher zu niedrig war, wird sich das Rad mit der neune Sattelhöhe leichter und schneller anfühlen. Falls diese Verbesserung eingetreten ist, erhöhe für die nächste Fahrt wiederum des Sattel und fahre das Fahrrad. Das musst Du solange wiederholen, bis der Sattel wirklich zu hoch ist, dann muss man den Sattel wieder ein kleines Stück absenken.

Wenn der Sattel zu hoch ist, musst Du Deine Hüften von bewegen, um zu pedalieren und Du hast das Gefühl, deine Beine spürbar strecken zu müssen, um die Pedale an der unteren Position zu erreichen. Ein weiteres Indiz für den zu hohen Sattel ist es, wenn Du auf dem Sattel automatisch nach vorne rutschst und mehr und mehr auf der Sattelnase sitzt. (Dies kann jedoch auch ein Indiz für eine zu weit nach unten gestellte Satelnase oder zu weit entferne Lenkergriffe sein).

Außerdem spielen auch die Schuhe und Pedale eine Rolle. Mit gewöhnlichen Schuhen wird fast die gesamte Pedalkraft durch das Herunterdrücken des Pedals erzeugt. So ist auf jeden Fall die größtmögliche Beinstreckung unabdingbar, um die größtmögliche Kraft auf das Pedal zu bekommen. Bei Schuhen mit Cleats und entsprechenden Pedalen, kann man zusätzlich auch durch Einsatz der hinteren Oberschenkelmuskultaur Effizienz in die Pedalbewegung bekommen, indem man auch am Pedal bei der Aufwärtsbewegung ziehen kann. Wenn man so fährt, ist eine etwas niedrigere Sattelposition wünschenswert als beim "kolbenartigen" Pedalieren mit Straßenschuhen. Eine etwas niedrigere Sattelposition kann sich auch bei hohen Pedalkadenzen positiv bemerkbar machen.

Muttern und Bolzen

Der Sattel wird eine Sattelstütze montiert, welche teleskopartig im Sitzrohr des Rahmens befestigt wird. Das Sitzrohr des Fahrradrahmens hat meistens einen Schlitz, der mittels einer Sattelklemme zusammengehalten wird. Diese Sattelklemme kann entweder mittels eines Werkzeugs oder mittels eines Schnellspannmechanismus festgezogen oder gelöst werden.

Zur Verstellung der Sattelhöhe musst die die Sattelklemme lösen. Dann kannst Du den Sattel entweder nach oben oder unten bewegen. Dabei kann es nötig sein, den Sattel ein wenig zu drehen, damit sich die Sattelstütze bewegen lässt. Falls es sehr schwer ist, die Sattelstütze zu bewegen, kann es notwendig sein, die Stütze heraus zu ziehen und einzufetten. (Falls sie komplett fest ist, kannst Du auch der Anleitung festsitzende Sattelstütze folgen.)

Normalerweise gibt es eine Minimalmarkierung, die sich etwa 5cm vor dem unteren Ende der Stütze befindet, die einen daran erinnern soll, dass man genügend Sattelstütze im Sitzrohr belassen sollte. Falls Du beim Justieren den Sattel über diese Markierung hinausziehen musst, kaufe eine neue, längere Stütze. Denke daran, dass Du den gleichen Sattelsützendurchmesser benötigst.

Falls sich die Sattelklemme zu schwer lösen lässt, hilft ein Tropfen Öl oder etwas Fett an der richtigen Stelle. Danach lässt sich die Klemme auch leichter mit etwas mehr Klemmkraft schließen, ohne dass man das Gewinde der Klemme beschädigt.

Winkel

Der Winkel des Sattel sollte möglichst nah an der horizontalen ausgerichtet sein. Manche Männer mögen die Sattelnase etwas höher als die Hinterseite. Frauen mögen meist die Sattelnase etwas niedriger. Jedoch sollten extreme Winkel unter allen Umständen vermieden werden.

Fall die Sattelnase zu hoch ist, wird der Druck auf die Weichteile erhöht und alle möglichen Probleme können daraus resultieren.

Wenn die Nase zu weit nach unten geneigt ist, tendiert der Fahrradfahrer dazu auf den schmaleren Teil des Sattels nach vorne zu rutschen. Frauen, die auf Sätteln fahren, die für Männer gebaut wurden, neigen diese Sättel gerne stärker nach vorne. Das nimmt ein wenig von den Sattelproblemen, aber führt dazu, dass man sich mehr mit den Händen am Lenker abstützen muss, das wieder in Hand, Rücken und Schulterschmerzen münden kann.

Der Winkel und die Vor-Zurück-Position werden beide an der Sattelklemme eingestellt.


Vor- und Zurück-Position

Sättel können auch nach vorne und hinten verschoben werden. Dies wird gemacht, um den Sattel auf die richtige Position hinter das Tretlager zu verschieben, so dass man einen effizienten Trittwinkel hat. Konventionellerweise stellt man die Pedale horizontal und dann sollte sich die Kniescheibe direkt über oder knapp hinter dem Pedallager befinden. Hierzu gibt es einen Artikel von Keith Bontrager Mythos KÜPA.

Es ist grundsätzlich keine gute Idee, mittels des Sattels die Entfernung zu den Lenkergriffen einstellen zu wollen. Besser man tauscht den Vorbau gegen einen längeren oder kürzeren aus oder nimmt einen Fahrradrahmen mit anderer Oberrohrlänge.

Der Winkel und die Vor-Zurück-Position werden beide an der Sattelklemme eingestellt.

Die Sattelstütze

Der Sattel wird mittels eines Sattelklemmmechanismus an der Sattelstütze befestigt, welche es in zwei verschiedenen Ausführungen gibt:

Sattelkerze und Sattelkloben

Ältere (und billige neue) Fahrräder haben Sattelstützen aus einem länglichen Rohr Aluminium oder Stahls, das sich am oberen Ende verjüngt. Ein separater Sattelkloben passt auf die verjüngte (normalerweise 22,2 mm oder 7/8 Zoll) Sattelkerzenspitze. Ein Bolzen geht quer durch diesen Sattelkloben und befestigt zwei spezielle Unterlegscheiben mit den Sattelstreben auf der Sattelunterseite. Wenn die Mutter dieses Bolzens gelöst wird, kann man leicht die Neigung des Sattels verstellen und den Sattel nach vorne und hinten verschieben.

Die meisten dieser Unterlegscheiben haben Kerbverzahnungen, die dabei helfen, den Sattel in Position zu halten. Dabei ist es extrem wichtig, die Muttern dieses Mechanismus wirklich fest zu ziehen, damit der Sattel sich nicht wie ein Schaukelstuhl verhält. Wenn das passiert, können die Kerbverzahungen schnell verschleißen und es ist unmöglich, den Sattel zu sichern, ohne einen neuen Sattelkloben zu kaufen.

Patentsattelstütze

Die meisten modernen Fahrräder werden mit sogenannten Patentsattelstützen ausgeliefert, bei denen die Sattelbefestigung direkt mit der Sattelstütze verbunden ist. Der Sattel wird mit einer oder zwei Schrauben gesichert.

  • Sattelstützen mit einer Klemmschraube haben eine vertikal angeordnete Schraube, welche dazu dient den Sattel zwischen zwei geschwungene Blöcke zu klemmen. Der untere Block ist direkt mit der Sattelstütze verbunden und hat eine gebogene eingekerbte Oberfläche, in die die Sattelstreben passen. Wenn die Klemmschraube gelöst wird, kann man die beiden Blöcke so verschieben, dass der Winkel des Sattels verändert und der Sattel vor und zurück geschoben werden kann.
  • Sattelstützen mit zwei Klemmschrauben benutzen beide Schrauben zur Sicherung der Klemmblöcke. Durch lösen einer der beiden Schrauben lässt sich der Sattel vor- und zurückschieben. Durch lösen der einen und festziehen der anderen Schraube lässt sich der Winkel einstellen. (Bei unterschiedlich langen Schrauben sollte immer erst die längere Schraube gelöst werden, bevor man sich mit der kürzeren befasst.) Dieser Mechanismus erlaubt eine feinfühligere Verstellmöglichkeit des Sattelwinkels, der aus diesem Grund auch Microjustierung genannt wird. Mechanismen mit einer Klemmschraube werden auch gelegentlich als "Microjustierung" bezeichnet - trotz fraglicher Genauigkeit.

Federung

Die meisten sattelbezogenen Unbehaglichkeiten werden durch Einschläge der Laufräder auf Unebenheiten des Untergrunds verursacht. Das kann durch die Nutzung von Federung verringert werden.

Hinstellen

Die grundlegendste Werkzeug zur Federung sind die Beine des Fahrers. Erfahrene Radfahrer haben gelernt, sich leicht aus dem Sattel zu erheben, sobald größere Unebenheiten vor ihm erscheinen. Dabei lässt er die Knie leicht gebeugt, so dass die Beinmuskeln wie Federn funktionieren können.

Bei längeren Fahrten können die Beine ermüden und dieser Vorgang wird schwieriger. Manchmal überrascht den Fahrer auch eine Unebenheit. Hierfür kann eine mechanische Federung Abhilfe verschaffen.

Federn

Bis zum Fahrradboom der 1970er Jahre, hatte so gut wie jeder Fahrradsattel Federn. Die einzigen Radfahrer, die einen ungefederten Sattel benutzten waren Hardcorefahrer. Diese Radfahrer trugen einen Großteil Ihres Gewichts auf den Beinen und benötigten daher keine Federung am Sattel. Zudem konnten sie so Gewicht sparen und höhere Kadenzen treten, ohne dass die Sattelfederung sie auf dem Sattel hopsen ließ.

Mitten im Boom kaufte sich jeder in Amerika ein 10 Gang Rennrad mit Rennlenker und ungefedertem Sattel. Dabei sind weder der ungefederte Sattel, der Rennlenker und die schmalen Reifen den Bedürfnissen des gelegentlichen Freizeitfahrers entsprechend.

Die Mountainbikerevolution war eine Bewegung weg vom Rennlenker und schmalen Reifen - der ungefederte Sattel blieb jedoch. Das Mountainbike wurde mit breiten nachgiebigen Reifen ausgeliefert, welche die Stöße des Untergrunds absorbieren konnten und die Fahrt etwas komfortabler gestaltete. Unglücklicherweise machen diese Reifen das Rad langsamer und schwerer vorwärts zu bewegen.

Gegen die Modemeinung glaubt Sheldon Brown, dass Sättel mit eingebauter Federung den Bedürfnissen der meisten Fahrradfahrer entspricht, die eine mehr aufrechte Position bevorzugen und daher mehr Gewicht auf den Sattel verlagern.

Gefederte Sattelstützen

Ein einfacher gefederter Sattel bietet Dir nicht genug Federungskomfort? Dann kannst Du eine gefederte Sattelstütze kaufen. Es gibt dabei zwei Arten von Federungsmechanismen:

Teleskopprinzip

Sattelstützen mit dem Telskopprinzip haben ein inneres und ein äußeres Rohr, welche sich ineinander Bewegen können. Sie benutzen entweder eine Stahlfeder oder ein Elastomerelement als aktive Federung.

Für diese Federung wird wenig Platz benötigt. Unglücklicherweise kann der schleifende Kontakt der Rohre zu Reibung kommen. Zusätzlich wird durch Verschleiß die Spiel im Mechanismus erzeugt.

Die Art der Federung funktioniert am Besten, wenn das Gewicht genau oberhalb der Sattelstütze sitzt. Daher haben die meisten Sattelstützen Klemmmechansimen mit keinem oder nur minimalem Setback. Dieser wiederum kann zu biomechanischen Problemen beim Fahrer führen, da die meisten Fahrradrahmen für Sattelstützen mit Setback ausgelegt sind.

Parallelogrammprinzip

Sattelstützen nach dem Parallelogrammprinzip haben eine Elastomerelement im Inneren. Dabei kann konstruktionsbedingt keine Reibung entstehen und in Folge dessen ist das Entwickeln von Spiel im Mechanismus fast ausgeschlossen. Der Setback dieser Sattelstützen ist ausreichen, verändert durch das Federn jedoch sein Maß.

Sie sind meist schwerer als andere Sattelstützen und können natürlich nur von Fahrern benutzt werden die Ihre Sattelstützen weit genug aus dem Rahmen herausragen lassen können.


Gefederte Sattelstützen haben meist eine Justiermöglichkeit, um sie auf das Fahrergewicht einzustellen. Dadurch bewegt sich die Stütze nicht durch das Fahrergewicht, sondern ausschließlich durch Unebenheiten des Untergrunds.

Schwingen

Manche Fahrräder haben gar kein Sitzrohr und der Sattel ist an einer Schwinge befestigt, die direkt hinter dem Steuerrohr angebracht ist. Sie ist meist flexibel gestaltet, so dass sie guten Federungskomfort ohne bewegliche Teile liefert. Obwohl diese System bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückzuverfolgen ist, in denen sich ein italienisches Fahrrad mit einer Stahlfederschwinge finden lässt, setzte sich das System nicht wirklich durch bis in den 90er Jahren das Softride (ursprünglich Alsop) eingeführt wurde. Diese Verbundstoffschwinge ist wie ein kleines Sprungbrett und gibt exzellenten Federungskomfort.

Impotenz und Prostata

Immer wieder kommt eine Hysteriewelle angeschwappt, in der von fahrradbedingter Impotenz gewarnt wird. Das gewichtigste Argument hierbei ist, dass die Arterien des männlichen Penis gegen den Sattel gedrückt würden und somit der Blutfluss in den Schwellkörpern unterbrochen würde.

Sheldon Brown ist kein Medizinexperte, aber seiner Meinung nach sind dies eher Probleme, die auf falsche Satteljustage und Auswahl eines falschen Sattels zurückzuführen sind und das Fahrergewicht nicht korrekt durch die Sitzhöcker getragen wird. Wenn der Sattel zu hoch oder zu niedrig eingestellt wird, kann es sein, dass der Fahrer zu viel Zeit auf der Sattelspitze sitzt und dadurch Arterien blockiert werden und evtl. auch Nervenschäden verursacht werden. Zudem kann so auch Druck auf die Prostata ausgeübt werden.

Fahrradfahrer, die hiermit Probleme haben oder regelmäßig Taubheitsgefühle verspüren, sollten mit der Sattelposition experimentieren, so dass die Sitzhöcker den Großteil des Körpregewichts tragen. Bei chronischen Beschwerden sollte man über den Umstieg auf ein Liegerad nachdenken, da die Sitze des Liegerads diese Probleme auf einen Schlag eliminieren.


Geteilter Sattel

Eine Lösung, die versucht wurde und häufiger wieder verworfen wurde waren geteilte Sättel. Diese Sättel haben zwei nebeneinanderliegende runde Sitzpolster auf einer horizontalen Stange. Diese Sitzkissen können sich innerhalb eines gewissen Grades auf- und abbewegen. Dieser Art Sitze haben keine Sattelnase und man glaubt daher, dass sie ein guter Ersatz für Fahrradfahrer mit Prostata- oder Taubheitsproblemen sind.

Leider haben diese Art Sitze mehrere Nachteile

  • Das Fehlen der Sattelnase nimmt der Fahrer in manchen Situationen die laterale Kontrolle
  • Die Sitzkissen müssen nach vorne geneigt werden, so dass man zum nach Vorne rutschen tendiert. Das wiederum zieht Hand-/Handgelenk-/Nackenprobleme nach sich, da sich der Fahrer mehr an den Lenkergriffen abstützen muss, um nicht vollständig von den Sitzkissen zu rutschen.
  • Wenn die Sitzkissen nicht nach vorne geneigt werden, wird die Blutzirkulation in den Oberschenkeln abgeklemmt und es kann zu Druck auf die Oberschenkelmuskultaur kommen.

Das Design sieht auf dem Papier gut aus, funktioniert in der Praxis eher schlecht.

Speziell weibliche Probleme

Die meisten Fahrräder werden mit Sätteln für die männliche und nicht für die weibliche Anatomie ausgeliefert. Wegen des breiteren Beckens benötigen Frauen einen breiteren Sattel, damit die Sitzhöcker nicht am zu schmalen Sattel vorbeiragen und schmerzhaften Druck auf die Weichteile ausübt.

Im allgemeinen sind Sättel für Frauen breiter und etwas kürzer als die für Männer. Die meisten Frauen verspüren ein gewisses deplatziertes Unbehagen auf ungeeigneten Sätteln. In den meisten Fällen hilft es nur, den Sattel vorne herunterzulassen um den Schmerzen Einhalt zu gebieten. Das kann den akuten Schmerz verringern führt aber zur Tendenz nach Vorne zu rutschen. Dieses verursacht wiederum, dass man sich an den Lenkergriffen abstützen muss, um ein vollständiges Abrutschen zu vermeiden. Als Ergebnis sind Schmerzen in den Händen, Handgelenken, Schultern oder Nacken möglich.

Manche neuere Sättel haben einen Ausschnitt in der Mitte des Sattels, um den Druck auf die Weichteile zu verringern. Viele Frauen finden das ausgezeichnet, manche finden die kantigen Ecken irritierend.

Liegeräder

Für viele Radfahrer mit Sattelproblemen ist ein Fahrrad mit völlig anderem Konzept die beste Lösung - das Liegerad. Auf dem Liegerad nimmt man grundsätzlich die Position wie in einem gemütlichen Sessel ein, und die Pedale sind mehr oder weniger vor dem Sitz (nicht Sattel!) angebracht. Der Sitz hat eine Lehne wie ein Stuhl. Das ist wichtig, da das gesamte Fahrergewicht sich dort befindet und nicht von den Pedalen getragen werden kann. Die Lehne bietet Rückhalt, so dass der Fahrer nicht nach hinten rutschen kann, wenn er hart in die Pedale tritt.

Viele Leute glauben, dass das Liegeradkonzept das Fahrrad der Zukunft darstellt und sie können Recht haben. Liegeräder sind wesentlich komfortable als konventionelle Fahrräder und in gewisser Hinsicht auch sicherer.

Leider sind diese Art Räder schwer unterzubringen und zu transportieren. Durch Ihre geringe Produktionszahlen sind sie zudem wesentlich teurer als vergleichbare normale Fahrräder.

Die Liegeradposition verkompliziert den Antriebsstrang und die mechanische Effizienz ist meist geringer als bei "Aufrechtfahrern". Sie sind meist aerodynamischer als konventionelle Fahrräder und das reduziert die vorgenannten Nachteile wieder etwas. Im Gegensatz zu den Diamantrahmen, die über die Jahrzehnte immer weiter entwickelt wurden, sind Liegeräder immer noch in einem frühen unreiferen Entwicklungsstadium. Die besseren Eigenschaften werden bleiben, während dieser Typ Fahrräder weiter entwickelt werden wird.

Quelle