Rostschutz und Pflege von Stahlrahmen

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Da Fahrräder mit Stahlrahmen dem täglichen Wetter ausgesetzt sind, gilt es diese sinnvoll zu schützen. Außerdem halten wir unseren Singlespeeder ja hoffentlich nicht in klimatisierten Räumen, sondern in seiner natürlichen Umgebung und dort kommt er zwangsläufig mit Matsch, Regen und Pfützen in Kontakt. Die Hauptsorge gehört deshalb der Rostvorsorge oder der Rostbehandlung, denn wo Wasser, da ist auch die Rote Pest schnell zu finden.

Den Rahmen vor Rost schützen

Den besten Rostschutz stellt die äußere Lackierung oder Pulverbeschichtung dar. Sie umgibt den Rahmen und hält Feuchtigkeit und Sauerstoff von der Rahmenoberfläche fern und verhindert somit die Oxidation des Stahls. Beschädigungen dieser Oberfläche müssen daher umgehend ausgebessert werden.

Da jedoch nicht jeder Rahmen von innen behandelt oder beschichtet wird, ist es wichtig sich auch hier um die Vorsorge und den Schutz der Innenwände zu kümmern. Eine nennenswerte Ausnahme stellt beispielsweise die Rahmenschmiede Germans-Cycles dar. Sie versehen den Rahmen vor dem Lackieren mit einer Innenbeschichtung (KTL - Kathodische Tauchlackierung).

Es gibt diverse Möglichkeiten Stahlrahmen von innen vor Durchrostung zu schützen:

  • Eindringen von Feuchtigkeit verhindern
  • Die Belüftung und Trocknung
  • Das Anbringen einer Ablaufbohrung
  • Die Hohlraumkonservierung mit Leinöl oder anderen Mitteln

Eindringen von Feuchtigkeit verhindern

Beim Rostschutz geht es nicht darum, einen Rahmen hermetisch abzuriegeln und dicht zu halten, sondern eher um eine grobe Vorsorge. Wasser und Feuchtigkeit soll genauso gut wieder entweichen können, wie es eindringt. Ein Beispiel ist z.B. die Firma Fat Chance. Hier wurden die konstruktionsbedingten Entlüftungslöcher nach der Fertigstellung des Rahmens verschlossen. Dennoch ist Wasser in den Rahmen gelangt und/oder Kondenswasser konnte nicht wieder ablaufen und trocknen. Das Fazit war, das die Rahmen am Tretlagergehäusebereich und am unteren Sattelrohr durchgerostet sind. Praktisch gesehen ist es außerdem fast unmöglich, einen Rahmen vollständig abzudichten, da Sattelrohr und Steuersatz immer große Lücken aufweisen. Vor allem durch die Kapillarkräfte kann Wasser schon in kleinste Risse eindringen. Die wichtigste Vorsorge ist und bleibt daher die Trocknung und Beseitigung von vorhandener Feuchtigkeit.

Ein wichtiger Teilschutz ist das sorgfältige Einfetten aller Schrauben und Gewinde am Rahmen wie Innenlager, Getränkehalterösen, Stattelrohr, u.s.w , denn Fett ist wasserabweisend und dient zusätzlich zum Schutz der Schrauben vor Korrosion und Rost.

Ein anderer Tipp ist es, ein dünnes Stück Schlauch über die Sattelstütze zu ziehen bevor diese montiert wird. Der Schlauch kann, nach der Montage der Stütze, über die Sattelschelle gezogen werden und hält damit einen Großteils des Wassers ab. Auch Neoprenüberzüge für Steuersätze stellen eine mögliche Alternative dar, allerdings ist dieser Bereich dann nicht mehr dem normalen Luftzug ausgesetzt, weswegen Wasser, das unter den Überzug gelangt, schlechter verdunstet. Zur Trocknung ist es elementar wichtig für eine optimale Belüftung des Rahmens zu sorgen.

Optimale Belüftung und Trocknung

Rahmenende mit sichtbaren Entlüftungslöchern

Ein Fahrrad, das nass geworden ist, wird am besten an einem trockenen und gut belüfteten Ort abgestellt. Hier kann das Wasser abperlen und hinauslaufen. Ein Luftzug sorgt für den Abtransport von Feuchtigkeit und eine schnelle Trocknung. Die Verdunstung von Kondenswasser und Restfeuchte im Rahmenrohr wird dadurch ebenfalls beschleunigt. Der Rahmen und besonders die Entlüftungslöcher sollten daher gelegentlich kontrolliert und von grober Verschmutzung befreit werden. Sand und Dreck am und im Rahmen bindet Feuchtigkeit und lässt sie langsamer verdunsten. Ideal wäre noch die Entfernung von Sattelstütze und Gabel. Da dies im Alltag nicht praktisch umzusetzen ist, ist eine Ablaufbohrung besonders wichtig.

Es ist nicht sinnvoll den Rahmen bzw. das Rad jedesmal mit in die Wohnung zu nehmen. Vor allem im Winter kann sich, durch die Temperaturunterschiede, Kondenswasser im Rahmen bilden. Es gilt also, eine möglichst konstante Umgebungstemperatur zu halten.

Anbringen einer Ablaufbohrung

Tretlagergehäuse mit Ablaufbohrung

Ein Fahrradrahmen besitzt in seinen Rohren konstruktionsbedingte Entlüftungslöcher. Durch diese Löcher, aber auch durch das Tretlagergehäuse, am Steuerrohr oder am Sitzrohr kann Wasser eindringen. Dieses Wasser sammelt sich und fließt dann zum tiefsten Rahmenpunkt, dem Tretlagergehäuse. Ein Rahmen mit Kettenschaltung besitzt häufig eine Führung der Schaltzüge, die unter dem Tretlagergehäuse sitzt. Die Zugführung ist dort in der Regel mit einer Schraube befestigt. Diese Schraube geht durch das Tretlagergehäuse und somit hast du an dieser Stelle schon eine Öffnung, durch die überschüssiges Wasser entweichen kann. Falls gar keine Bohrung am Tretlagergehäuse vorhanden sein sollte, ist es sinnvoll selber eine zu erstellen.

Hinweis: Die Bohrung hat keinerlei Einfluss auf die Rahmenstabilität, sondern dient nur zu seinem Erhalt!

Am besten wäre es, du baust das Innenlager vorher aus. So ist sichergestellt, dass du es nicht beschädigst. Außerdem kann das Bohrloch so auch von innen entgratet werden. Dies ist wichtig, damit keine innere "Wanne" entsteht, an der sich wieder Wasser sammelt.

  1. Bestimmte den tiefsten Punkt in der Mitte des Tretlagergehäuses und setzte einen Körner an, um die Stelle zu markieren.
  2. Die Markierung des Punktes hilft dir später auch den Bohrer ohne verrutschen ansetzten zu können.
  3. Als Bohrer wählst du einen Metallbohrer mit 5-12mm Durchmesser, so kann das Wasser gut ablaufen, belüftet den Rahmen besser und verstopft nicht so schnell.
  4. Die Öffnung muss später regelmäßig gesäubert werden, damit das Wasser auch tatsächlich ablaufen kann.
  5. Nach der Bohrung wird das Loch von innen sauber entgratet.
  6. Betupfe das freigelegte Rahmenmaterial mit etwas Lack, um es vor Rost zu schützen

Hohlraumkonservierung mit Leinöl

Ein altes und bewährtes Konservierungsmittel für Eisen und Stahlsorten ist Leinöl oder Leinölfirnis. Reines Leinöl ist ein Naturprodukt und vollständig gefahrlos für Mensch und Umwelt. Es kann in Lebensmittelgeschäften bezogen werden. Leinölfirnis enthält Substanzen, die eine schnellere Verharzung fördern und ist daher weniger umweltverträglich. Das Öl oder die Firnis verharzen bei der Trocknung und bilden eine flexible und rissfreie wasserabweisende Schicht. Diese haftet sehr gut auf eisenhaltigen Materialien und durchdringt und bindet auch schon bestehende Rostpartikel. Es kann mittels einer Spritze in die einzelnen Rahmenrohre eingebracht werden z.B. durch die Entlüftungslöcher. Danach schwenkt und wendet man den Rahmen, in regelmäßigen Abständen, damit sich das Öl gleichmäßig verteilen kann. Es besitzt sehr gute Kriecheigenschaften und gelangt auch in kleine Ecken und Winkel. Am besten dreht man den Rahmen - mit einer eher großzügen Menge befüllt - jede halbe Stunde um 90 Grad. Überschüssiges Öl wird einfach mit einem Tuch abgewischt, bevor es am Rahmen trocknet.

Diesen Vorgang sollte man mindestens einmal im Jahr durchführen, etwa vor dem Herbst- oder Wintereinbruch. Herrschen jedoch häufig Witterungsbedingungen, bei denen viel Salz mit im Spiel ist, etwa Streusalz oder eine salzhaltige Luft an der Nord- und Ostsee, empfiehlt es sich die Prozedur mehrmals im Jahr zu wiederholen, da Salz die Rostbildung stark fördert.

Wichtiger Hinweis
Leinöl getränkte Lappen können sich selbst entzünden! Um einen potenziellen Brand möglichst zu vermeiden, sollten die Tücher zum Trocknen auf einer nicht brennbaren Unterlage ausgebreitet werden. Man kann sie aber auch in Wasser tränken oder in einem luftdichten Metall- oder Glasgefäß verschließen.


Andere Konservierungsmittel und Methoden

Es existieren sehr viele verschiedene Methoden, die sich beispielsweise bei der Hohlraumkonservierung von alten Autos bewährt haben (Bitte die jeweilige Gebrauchsanleitung dazu beachten). Hier nur eine kleine Auflistung: